Wenn Sie Schwarzgeld erben

Die Schweizer Haftbefehle gegen deutsche Steuerhinterzieher, der unverminderte Hunger der deutschen Finanzverwaltung nach illegal beschafften Datenbeständen und der Fall Hoeneß haben ausländische Schwarzgeldkonten wieder in das Gewissen mancher Steuerzahler zurückgerufen und die Zahlen der Selbstanzeigen rasant ansteigen lassen.

Interessant zu wissen: Auch Steuerehrliche können allein durch das Erben von Schwarzgeld in eine schwierige Situation kommen.

Berichtigungspflicht: Wer nach dem Erbfall positiv weiß, dass Vater/Mutter/Onkel usw. unvollständige Steuererklärungen abgegeben haben, muss diese Steuererklärungen rückwirkend berichtigen, wodurch 50 bis 70 Prozent des Geldes futsch gehen kann. Umgekehrt: Wer die Steuerhinterziehung nicht positiv weiß, muss auch nichts machen. Allerdings: Der letzte Steuerbescheid des Erblassers geht immer an den Erben. Wer großes Vermögen erbt und im letzten Steuerbescheid des Erblassers keine Zinseinkünfte vorfindet, muss der Sache nachgehen. Wer keine berichtigte Erklärung abgibt, obwohl er weiß, dass der Erblasser Steuern hinterzogen hat, macht sich selber der Steuerhinterziehung strafbar. Das ist zwar umstritten (Wistra 1993, 248), aber herrschende Meinung.

Abgeltungssteuer: Wenn Sie nun sagen: „Ich dachte, alles hat der Abgeltungssteuer unterlegen, deswegen muss ja im Steuerbescheid gar nichts drin stehen“, zieht dieses Argument nur bei inländischem Vermögen (s. u.). Ausländische Steuern muss man nach wie vor in der Steuererklärung angeben.

Ausnahmefall deutsches Schwarzgeld: Wer Schwarzgeldkonten in Deutschland erbt, muss in der Tat nichts unternehmen, denn seit 2009 muss man inländische Kapitalerträge ja gar nicht mehr deklarieren. Keine Kapitalerträge in der Steuererklärung trotz erheblichen (Inlands!-)Vermögens müssen also nicht mehr stutzig machen.

Legalisierung aufgrund ausländischer Quellensteuer? Seit Juli 2011 wird von vielen europäischen Staaten (allen EU-Ländern und auch der Schweiz) aufgrund der Zinsinformationsverordnung ZIV generell 35  Prozent Quellen­steuer von allen Zinsen einbehalten. Da dieser Satz sogar höher ist, als die deutsche Quellensteuer, kommt es seitdem nicht mehr zu einer Steuerhinterziehung, weil die ausländische Quellensteuer in jedem Fall in Höhe von 25 Prozent (deutsche Abgeltungssteuer) angerechnet wird (KÖSDI 2009, 16610). Diese Quellensteuer gilt aber nur für reine Zinseinnahmen. Sie gilt nicht für Spekulationsgewinne oder Dividenden oder viele andere in Deutschland steuerpflichtige Kapitalerträge. Wer also Geld in der Schweiz erbt, das nicht ausschließlich aus Zinspapieren besteht, dem bleibt nur die Hoffnung auf einen erneuten Anlauf für ein deutsch-schweizerisches Steuerabkommen. Der steht aber bekanntlich derzeit völlig in den Sternen.

Herzliche Grüße
Dipl. -Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für Puchheim

Liefernachweis bei EU-Exporten (schon wieder) neu geregelt

Lieferungen in andere EU-Länder sind von der Umsatzsteuer befreit , allerdings nur, wenn Sie den so genannten „Belegnachweis“ korrekt erbringen können (§ 4 Nr. 1b UStG).

Konkret: Sie müssen durch Belege nachweisen, dass die Ware tatsächlich in ein anderes EU-Land gelangt ist. Die Anfang 2012 reformierte Vorschrift hat sich als teilweise unanwendbar erwiesen und wurde nun zum zweiten Mal nachgebessert (am 22. März 2013 von Bundestag und Bundesrat beschlossen). Anzuwenden sind die Neuregelungen ab 1. Oktober 2013. Bis dahin kann man noch nach der Rechtslage von 2011 verfahren.

Die wesentlichen Änderungen des neu gefassten § 17 a UStDV – gültig ab 1. Oktober 2013:

Es bleibt dabei, dass der Belegnachweis durch eine Rechnungskopie und eine Gelangensbestätigung erbracht werden soll. Die Regelungen dazu sind im Wesentlichen unverändert geblieben, aber ein paar Dinge wurden vereinfacht:

  • Nun reicht der Nachweis des Monats (statt bisher des Tags) aus, in dem der Gegenstand in das andere EU-Land gelangt ist.
  • Die Bestätigung kann nun auch durch einen Beauftragten des Abnehmers (nicht zwingend durch den Abnehmer selbst) erfolgen, bei elektronischen Abwicklungen ist eine Unterschrift gar nicht mehr erforderlich.
  • Die Gelangensbestätigungen können als Sammelbestätigungen für einen Zeitraum bis zu einem Quartal zusammengefasst werden.
  • Wahlweise sind neben dieser Gelangensbestätigung auch andere Nachweismöglichkeiten ausdrücklich erlaubt wie zum Beispiel Frachtbriefe, Spediteursbescheinigungen, Protokolle von Kurierdiensten, Einlieferungsbelege bei Postsendungen.

Generelle Tipps für EU-Exporte: Die Richtigkeit der Umsatzsteuer-ID-Nummer und die Übereinstimmung der Nummer mit dem Besteller muss bereits vor der Lieferung durch den Vertrieb erfolgen und nicht erst bei Rechnungsstellung durch die Buchhaltung. Dann ist es zu spät. Auf der Rechnung muss angegeben sein: „Umsatzsteuerfreie EU-Lieferung nach § 4 Nr. 1b Umsatzsteuergesetz“.

Höchste Vorsicht ist geboten bei so genannten Abholfällen: Hier erscheint der EU-Kunde selbst bei Ihnen und holt die Ware ab. Gerade dann ist auf dem Belegnachweis höchsten Wert zu legen, vor allem wenn es um Autos oder Mobiltelefone geht.

Herzliche Grüße
Dipl. -Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für Puchheim